Freiwilligenprojekt

Der Neue Friedhof in Ulm wird dokumentiert

Worum es geht
Friedhöfe bilden einen festen Bestandteil unserer Städte und Gemeinden. Sie sind Orte kollektiven und individuellen Gedächtnisses – als emotional besetzte Orte und als steinerne Archive zugleich. Und sie gehören zum Ortsbild dazu, als umfriedete Grün- und Freifläche mit Wegen, Hecken, stattlichem Baumbestand und der traditionellen Friedhofskapelle. Wir Menschen erleben sie zudem als ruhige, grüne, von zahlreichen Kleintieren belebte Rückzugsräume innerhalb der Bebauung.

Friedhöfe sind Elemente unserer Kulturlandschaft. Viele Menschen denken hierbei an Grabstätten. Doch nachmittelalterliche Friedhöfe sind planmäßige Anlagen mit Wegen, Brunnen, Kreuzen und Skulpturen sowie Grünflächen, Baumreihen und Gehölzen. Dazu kommt die spezielle Friedhofsarchitektur (Trauerhalle, Krematorium, Leichenhalle). Die Anlagen weisen oft Gestaltungs- und Aufenthaltsqualitäten bis hin zu gartenkünstlerischem Niveau auf. Wenn Friedhöfe nicht mehr wie bisher genutzt werden, steht also weit mehr auf dem Spiel als einzelne historische Grabstätten.

In Baden-Württemberg stehen viele Friedhöfe als Ensemble unter Denkmalschutz. Dabei gibt es Bestandteile mit und ohne Denkmalwert. Diese gilt es zu dokumentieren und zu benennen.

Am Anfang steht die genaue und systematische Beschäftigung mit den speziellen örtlichen und historischen Gegebenheiten eines Friedhofs. Und dies ist angebracht, denn mit dem Wandel der Bestattungs- und Trauerkultur gehen viele Grabstätten und letzten Endes auch die traditionellen Friedhofsanlagen verloren. Wie gesagt: Diese Veränderung betrifft die Gemeinwesen und zudem viele Bürgerinnen und Bürger persönlich.

Was daraus entsteht
Nun startet das Landesamt für Denkmalpflege ein „Friedhofsprojekt“. In gemeinschaftlichen Aktionen sollen traditionelle Friedhöfe dokumentiert werden und wieder ins Bewusstsein der Menschen vor Ort gerückt werden. Dies wird den Friedhöfen hoffentlich größere Beachtung und die notwendige Sicherung und Pflege einbringen, um sie für die Zukunft zu erhalten.

Denn die Dokumentationen ermöglichen weitere Formen der Inwertsetzung wie etwa Beschilderungen oder andere Informationsangebote. Auch praktische Beiträge wie Friedhofsaktionstage oder Grabmalpatenschaften sind wichtig. Die gesammelten Informationen bieten auch die Chance zu wissenschaftlicher Beschäftigung mit der Ortsgeschichte, Sozialgeschichte, Kulturgeschichte usw. Alle diese Aktivitäten können in bürgerschaftlicher oder kommunaler Hand liegen, sie können für Einzelpersonen, Gruppen und Institutionen reizvoll sein.

Wie es beginnt
Das Friedhofsprojekt wird mit einer Auswahl von Friedhöfen beginnen. So kann die Dokumentation der Friedhofsanlage und ihrer Grabstätten gemeinsam mit lokalen Akteuren und mit Freiwilligen praktisch erprobt werden. Wichtige Partner sind hierbei die Friedhofsverwaltungen sowie die örtlichen Archive, dazu Personen oder Gruppen, die sich für dieses Thema interessieren.

Im September 2019 wird der Neue Friedhof in Ulm den Auftakt bilden. Der Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben, die Friedhofsverwaltung der Stadt Ulm, das Stadtarchiv, die Untere Denkmalschutzbehörde Ulm sowie das Landesamt für Denkmalpflege befinden sich schon an Bord. Weitere Mitwirkende sind herzlich willkommen.

Alle Ausstattungsgegenstände (Bauten, Grabanlagen, Zapfstellen, Bepflanzung) werden beschrieben, fotografiert und kartiert. Außerdem werden Nachforschungen zur Geschichte des Friedhofs und zu dort beigesetzten Personen durchgeführt und die Ergebnisse festgehalten.

So entsteht eine Dokumentation, die zu unterschiedlichen Zwecken weiterbearbeitet werden kann: Das Landesamt für Denkmalpflege kann ein genaues Verzeichnis der denkmalwerten Bestandteile erstellen. Die Stadt Ulm kann festlegen, was außerdem als erhaltenswert gelten soll.
Reizvolle Möglichkeiten bieten sich den Freiwilligen, die bei der Aktion mitwirken: Sie können beispielsweise einen touristischen Führer schreiben, einen Rundgang ausarbeiten, Führungen anbieten, eine App entwickeln – oder ganz klassisch eine ortsgeschichtliche oder kulturgeschichtliche Forschung daran knüpfen. Dies alles lässt sich in der Gruppe oder auch allein verwirklichen.


Weitere Informationen

Dr. Gudrun Litz / Gunther Volz M. A.
Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben e.V.
c /o Stadtarchiv Ulm, Weinhof 12, 89073 Ulm
0731 / 161-4220, info@verein-ulm-oberschwaben.de

Dr. Claudia Dutzi
Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart
Referat 82 – Denkmalfachliche Vermittlung
Moltkestr. 74, 76133 Karlsruhe, 0721 / 926-4821, Claudia.Dutzi@rps.bwl.de

Projektpartner

Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben e.V.
c /o Stadtarchiv Ulm, Weinhof 12, 89073 Ulm

Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart
Berliner Straße 12, 73728 Esslingen am Neckar

Stadt Ulm
Abteilung Friedhofs- und Bestattungswesen
Donaustraße 5, 89073 Ulm
Untere Denkmalschutzbehörde
Münchner Straße 2, 89073 Ulm
Haus der Stadtgeschichte – Stadtarchiv Ulm
Weinhof 12, 89073 Ulm

Projektförderung

Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg – Oberste Denkmalschutzbehörde


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www.verein-ulm-oberschwaben.de