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Kurzfassungen der Vorträge

Elke Bujok: Bekanntes und Unbekanntes aus aller Welt in einer Ulmer Sammlung des 17. Jahrhunderts. Die Kunstkammer des Christoph Weickmann (Vortrag mit Lichtbildern). 15. Februar 2006.

Kunstkammern waren Sammlungen, in denen Fürsten, Bürger und Gelehrte im 16. und 17. Jahrhundert alle Dinge der damals bekannten Welt in den eigenen Räumen vereinten. Sie sammelten Naturalien und Kunstgegenstände jeglicher Art. Von besonderem Interesse war dabei das Rare und Kuriose, das zum Staunen anregte und die Neugierde weckte. Die frühesten Kunstkammern an fürstlichen Höfen entstanden in der Mitte des 16. Jahrhunderts.

Christoph Weickmann (1617-1681) war ein vielseitig interessierter Ulmer Kaufmann und Ratsmitglied. Seine Kunstkammer war weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt, und er besaß zahlreiche wertvolle Objekte. Dazu zählten über 120 Kunstgegenstände. Diese machten ungefähr ein Viertel der ganzen Sammlung aus. Unter diesen 120 Objekten befanden sich 40 außereuropäische, von denen wiederum über 20 aus Westafrika stammten. Die Kunstobjekte befinden sich heute größtenteils im Ulmer Museum, während die Naturalien nicht mehr erhalten sind. 1659 publizierte Weickmann seine Kunstkammer in einem eigenständigen, fast 90-seitigen Katalog und nannte sie "Exoticophylacium Weickmannianum".

Das spektakulärste Stück seiner Sammlung war zweifelsohne eine getrocknete Mumie aus der arabischen Wüste. In seinem Katalog bezeichnet Weickmann sie als "Mumia Arabica, oder ein außgedörrter gantzer Mohr". Getrocknete Mumien kamen gegenüber den balsamierten sehr viel seltener vor und waren deswegen besondere Raritäten. Weickmann erwarb die Mumie 1657 von einem fahrenden niederländischen Händler. Sie war bis zum Zweiten Weltkrieg erhalten und wird seitdem vermisst.

Zu den europäischen Sammlungsstücken zählten unter anderem ein Fliegenwedel aus Pergamentstreifen, auf die eine Weltchronik geschrieben ist, zwei Püppchen aus verschiedenen Pflanzensamen, Käferpanzern, Meerschnecken und rotem Glas sowie fragile Holzobjekte, die aus zahlreichen kleinen Elementen zu bestehen scheinen, jedoch aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt sind.

Die außereuropäischen Objekte kamen von der Westküste Afrikas, aus Lappland, dem Orient und Ostasien. Ein seltenes Stirn- oder Halsband aus Muschelschalenstücken stammt von den Taíno, einer nicht mehr existenten Indianergruppe im karibischen Raum. Die westafrikanischen Objekte erhielt Weickmann vermutlich als eine geschlossene Sammlung aus direkter Hand. Dazu zählen ein Schwert mit einer Scheide aus Rochenfell von der ehemaligen Goldküste, ein Raffiabastgewebe und geflochtene Behältnisse aus dem ehemaligen Königreich Kongo, zwei Gewänder aus Baumwolle von der Küste des heutigen Benin sowie ein Orakel- oder Wahrsagebrett der Yoruba. Fünf bini-portugiesische Elfenbeinlöffel kamen vermutlich auf einem anderen Weg nach Ulm. Weickmanns Sammlung an afrikanischen Objekten sucht aufgrund ihrer Seltenheit und ihrer hervorragenden historischen Dokumentation heute ihresgleichen.