Der Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben gehört zu den ersten und ältesten Geschichtsvereinen des Landes Baden-Württemberg.

Von seiner Gründung an galt die Initiative des Vereins dem Ausbau des Ulmer Münsters (begonnen 1844), den er mit großem Einsatz bis zum Abschluß der Arbeiten 1890 begleitete.

Der Verein versteht sich heute vorrangig als ein Forum offener und lebendiger lokaler
und regionaler Geschichts-, Forschungs- und Kulturarbeit. Sein Interesse gilt ebenso der Pflege und dem Erhalt lokaler historischer Baudenkmäler und Zeugnisse. 

Die Geschichte des Vereins

1841

6. März: Gründung des „Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben“ durch Dr. Philipp Ludwig Adam (1813-1893), Besitzer der Stettin‘schen Buchhandlung in Ulm, Eduard Mauch (1800-1874), Zeichenlehrer am Gymnasium, und Friedrich Eser (1798-1873), Finanzkammerassessor. Das Amt des Vereinsvorstands übernimmt der Regierungspräsident von Ulm, Staatsrat Freiherr von Holzschuher.

26. Oktober: Bestätigung, dass der württembergische Kronprinz Karl das Protektorat über den Verein übernehmen werde.

1842

6. März: Der Verein beschließt förmlich, sich zunächst der Erhaltung des Ulmer Münsters zu widmen.

1843

Die erste Publikation des Vereins erscheint: Heft 1 der „Verhandlungen des Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben“. Der Verein zählt 88 Mitglieder.

1844

Die Mitgliederzahl steigt auf 144.

1846

Vorstandswechsel: Finanzrat Friedrich Eser übernimmt den Vorstand des Vereins. Der Verein hat 208 Mitglieder.

1850

Vorstandswechsel: Nach dem Wegzug von Friedrich Eser nach Stuttgart wird Dr. Konrad Dietrich Haßler (1803-1873), Professor am Ulmer Gymnasium, zum Vorstand des Vereins gewählt.

1855

19. bis 22. September: Auf Einladung des Ulmer Altertumsvereins findet in Ulm die Versammlung des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine statt.

1868

Vorstandswechsel: Konrad Dietrich Haßler lehnt die Wiederwahl zum Vorstand ab; sein Nachfolger wird Philipp Ludwig Adam, einer der Gründer des Vereins.

1875

Vorstandswechsel: Philipp Ludwig Adam legt die Vorstandsstelle nieder; Justizrat Hugo Bazing (1820-1893) übernimmt die Nachfolge. Der Verein hat 312 Mitglieder.

1876

Beginn einer neuen Publikationsreihe: das monatlich erscheinende „Korrespondenzblatt des Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben“ besteht nur bis 1877.

1877

Feier des 500jährigen Jubiläums der Grundsteinlegung zum Bau des Ulmer Münsters: Der Verein organisiert eine Ausstellung mit Werken der Ulmer Malerschule in der neuerbauten Mädchenturnhalle.

1878-1890

Der Verein führt keine eigenständige Zeitschriftenreihe: Die Veröffentlichungen des Vereins erscheinen als besondere Abschnitte in den „Württembergischen Vierteljahresheften“.

1890

Vollendung des Münsterturms: Die Vollendung des Münsterturms wird in großem Maßstab gefeiert.

1891

50jähriges Vereinsjubiläum: Der Verein hat 326 Mitglieder. Beginn der neuen Publikationsreihe: „Ulm – Oberschwaben. Mitteilungen des Vereins für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben“ (1891-1941, Bd. 1-31).

Nach dem Tod des Königs Karl von Württemberg geht das Protektorat über den Verein an seinen Nachfolger König Wilhelm II. über.

1892

1.-3. August: Hauptversammlung der deutschen anthropologischen Gesellschaft in Ulm auf Einladung des Vereins.

1893

Vorstandswechsel: Moritz Schad von Mittelbiberach (1821-1902), Landgerichtspräsident a. D., übernimmt nach dem Tode von Hugo Bazing die Leitung des Vereins.

1901

Vorstandswechsel: Dr. Hermann Knapp (1845-1921) wird Nachfolger von Moritz Schad von Mittelbiberach als Vereinsvorstand.

1917

Vorstandswechsel: Dr. Hans Greiner (1862-1927), gleichzeitig Stadtarchivar, übernimmt das Amt des Vereinsvorstandes.

1923

Vorstandswechsel: Max Ernst (1869-1945), Oberstaatsanwalt, wird zum Nachfolger von Hans Greiner als Vorstand des Vereins gewählt. Die Kunstsammlung des Vereins geht mit dem Vertrag vom 23. Juni in den Besitz der Stadt über unter Wahrung der Eigentumsrechte des Vereins.

1924

Mit 677 Mitgliedern größter Umfang des Vereins.

1934

Rücktritt des Vorstandes Max Ernst: Nachdem er mit den nationalsozialistischen Machthabern in Konflikt geraten ist, die zunehmend auch auf das Vereinsleben Einfluss nehmen. Anlass zu den Auseinandersetzungen ist vor allem sein Eintreten für den 1933 entlassenen Direktor des Städtischen Museums, Dr. Julius Baum. Nachfolger von Max Ernst wird Dr. Walther Sontheimer, Oberstudiendirektor am Ulmer Gymnasium.

1938

Vorstandswechsel: Otto Wiegandt, Handelsschullehrer in Ulm, übernimmt die Vorstandsstelle des Vereins.

1941

100jähriges Vereinsjubiläum: Das wegen des Krieges nur im sehr kleinen Rahmen begangen wird.

1951

wird die Publikationstätigkeit wieder aufgenommen nach zehnjähriger, durch den Weltkrieg bedingter Unterbrechung. Die Reihe erscheint nun mit Unterstützung der Stadt Ulm unter dem abgewandelten Titel „Ulm und Oberschwaben. Zeitschrift für Geschichte und Kunst“ (1951-2007, Bd. 32-53/54).

1976

Vorstandswechsel: Nachfolger von Otto Wiegandt als Vereinsvorstand wird der Neu-Ulmer Rechtsanwalt Horst Gaiser († 2019).

1991

Vorstandswechsel: 1991 Übernimmt mit Altstadträtin Frau Gertrud Beck erstmals in der Vereinsgeschichte eine Frau die Leitung des Vereins. Der Verein feiert mit einem wissenschaftlichen Symposium zum Thema „Aufgaben und Bedeutung historischer Vereine in unserer Zeit“ und einer Festschrift „Der Geschichte treuer Hüter…“ sein 150 jähriges Bestehen.

1993

Vorstandswechsel: Dr. Gebhard Weig wird zum Vorstand des Vereins gewählt. Der Verein verstärkt seine Aktivitäten in der Öffentlichkeit mit einer festen Vortragsreihe jahresübergreifend (Oktober bis März) und einem sommerlichen Exkursionsprogramm mit Kulturfahrten zu Zielen des In- und Auslandes. Das Veranstaltungsprogramm des Vereins ist heute ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in der Stadt.

2005

Der Internetauftritt des Vereins wird erneuert und von den Seiten des Stadtarchives getrennt.

2007

Die Vereinszeitschrift erscheint ab Bd. 55 gemeinsam mit der Gesellschaft Oberschwaben für Geschichte und Kultur e. V. nach der 2006 abgeschlossenen Kooperation nun unter dem Titel „Ulm und Oberschwaben. Zeitschrift für Geschichte, Kunst und Kultur“.

2010

Vorstandswechsel: Am 20. Juli 2010 fand im Gewölbesaal des Schwörhauses die Mitgliederversammlung statt, auf der u. a. die neue Satzung verabschiedet und Frau Dr. Gudrun Litz als neue Vorsitzende gewählt wurde. Als weitere Mitglieder des Vorstandes wurden Christoph Kleiber (Stellvertr. Vorsitzender), Dr. Wolf-Dieter Hepach (Schriftführer, † 2018) und Peter Daub (Rechner) bestätigt.

2016

6. März: 175jähriges Vereinsjubiläum im Lichthof des Ulmer Museums.

Der Verein erhielt von der Ulmer Bürgerstiftung eine Anerkennungsprämie in Höhe von 15.000 €, die zur Erschließung und Restaurierung der vereinseigenen Sammlungen im Stadtarchiv und in der Stadtbibliothek verwendet wird.

Artikel von Henning Petershagen in der Südwest Presse vom 3. März 2016 über das 175-jährige Vereinsjubiläum 

2019

20. Februar: Auf der Mitgliederversammlung im Lichthof des Museums Ulm wird Frau Dr. Eva Leistenschneider als Schriftführerin und Frau Karin Häring als Schatzmeisterin in den Vorstand gewählt. Die weiteren Mitglieder des Vorstands (Dr. Gudrun Litz, Vorsitzende, und Christoph Kleiber, Stellvertr. Vorsitender) werden bestätigt. Die Mitgliederzahl beträgt aktuell 330 Mitglieder.

8. September: Der Verein präsentiert sich gemeinsam mit dem Verein „pro ulma“ beim Tag des Offenen Denkmals mit einem Stand auf dem Münsterplatz.



Ausführlichere Darstellungen der Vereinsgeschichte finden Sie bei:

Hans Greiner: Der Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben, in: WVjh 30 (1921), S. 116-155;

Max Ernst, Neunzig Jahre Vereinsgeschichte, in: UO 28 (1932), S. 3-21;

Der Geschichte treuer Hüter … Die Sammlungen des Vereins für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben. Festschrift zum 150jährigen Bestehen des Vereins. Hg. vom Ulmer Museum. Ulm 1991.