
Vorträge mit unterschiedlichen Themen aus Geschichte, Kunst, Kultur und Politik – von der Ulmer Frühgeschichte bis zu aktuellen Themen der Stadt.
Vorträge
Ausgrenzung, Entrechtung, Ausbeutung und Verfolgung – die vergessene Geschichte des Roten Bergs
Dr. Nicola Wenge, DZOK Ulm
Wer heute die Erinnerungsstelen am Roten Berg betrachtet, die am 8. Mai 2026 feierlich eingeweiht wurden, befindet sich in einer ruhigen Wohngegend. Lange erinnerte hier nichts an die Geschichte des Ortes, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch außerhalb der Stadt lag, aber einen wichtigen Schauplatz der Stadtgeschichte darstellte. In der Weimarer Republik war der Ort geprägt von Ausgrenzung und Kontrolle, im Nationalsozialismus auch von Entrechtung, Ausbeutung und Verfolgung. Die drei Erinnerungsstelen sind folgenden Themen gewidmet:
1. Die Siedlung für sozial Ausgegrenzte (1926–1944),
2. Das größte Zwangsarbeiterlager der Stadt Ulm (1941–1945)
und
3. Die besondere Gefährdung von Zwangsarbeiterinnen (1941–1945).
DZOK-Leiterin Dr. Nicola Wenge stellt in ihrem Vortrag die drei Themen vor, basierend auch auf neuen Rechercheergebnissen des Initiativkreises zur Errichtung der Stelen, dem die Stolpersteininitiative Ulm, die Stadtarchive Ulm und Neu-Ulm und das Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg angehören.
Kooperationsveranstaltung mit dem DZOK Ulm
Von Löwen und Adlern. Epigraphische Repräsentationsstrategien autonomer Städte
PD Dr. Teresa Schröder-Stapper, Essen
Der Vortrag widmet sich den Formen städtischer Selbstdarstellung an der Schwelle vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit.
Im Zentrum steht ein vergleichender Blick auf die Inschriftenkorpora verschiedener autonomer Städte. Dabei wird untersucht, wie Städte durch Wappen, Inschriften und bildliche Programme ihre politische Identität inszenierten: als selbstbewusste Akteure mit Anspruch auf Autonomie, als dem Reich verbunden – und zugleich als bewusst abgegrenzt gegenüber landesherrlicher Herrschaft. Der Vortrag lädt dazu ein, die Sprache der Steine, Siegel und Fassaden als Ausdruck politischer Kommunikation und städtischer Selbstverortung neu zu entdecken.
Ernst Bauer und der Aegis Verlag. Ein Beitrag zur Ulmer Nachkriegsgeschichte
Ernst Joachim Bauer, Laichingen
Mit großen Ideen startete Ernst Bauer 1946 mit seinem Aegis Verlag. Aber die Zeit und auch die Zeitgenossen stutzten seinen kurzfristigen Höhenflug, und vor allem auch die Währungsreform 1948. Sein Sohn, Ernst Joachim Bauer, hat das Aegis-Archiv gesichtet und berichtet über Erfolge und Misserfolge, das Verhältnis zu Ulmer Lokalgrößen und den Kulturbetrieb der Nachkriegszeit, die jüngst auch als Buch erschienen sind. Trotz aller Widerstände, Aegis lebt nach 80 Jahren immer noch und ist eine feste Größe im Ulmer Kulturleben.
Eine große Kirche für eine große Stadt
Prof. Dr. Enno Bünz, Universität Leipzig
Eine große Kirche für eine große Stadt Eine Besonderheit Ulms ist, dass die Stadt im Gegensatz zu anderen mittelalterlichen Großstädten nur eine einzige Pfarrkirche besaß – seit dem Frühmittelalter die Marienkirche „ennet felds“ außerhalb der Stadtmauern, ab 1377 dann das Münster mitten in der Stadt. Die Ulmer Pfarrkirche hatte deshalb nicht nur in architektonischer Hinsicht, sondern auch mit Blick auf Personal, Ausstattung und Inventar den Zug zum Großen und Besonderen.
Das Ulmer Münster war deshalb mehr als nur eine Kirche in der Stadt, sondern es war DIE Bürgerkirche, auf die Alltagsleben wie Frömmigkeit in der großen Stadt konzentriert waren. Um diese Kirche drehte sich nicht nur aufgrund ihrer Lage das Leben der Stadt und ihrer Menschen, die wir mit ihren Glau bensüberzeugungen und Frömmigkeitspraktiken ernstnehmen sollten. Der „Zug zum Großen“ im Ulmer Münster war nicht das Monument einer reichen Macht- und Herrschaftskirche, sondern der Ausdruck städtischer Glaubenshaltung.
Der Vortrag wird den Blick nicht nur auf Ulm richten, sondern auch den Vergleich mit anderen Reichsstädten wagen.